Laufendes Projekt
Bronzeskulpturen in Charlottenburg
Der Schlossgarten Charlottenburg
Die Ursprünge des Charlottenburger Schlossgartens gehen auf die Zeit um 1700 zurück, als die Kurfürstin Sophie Charlotte sich im damaligen Lietzenburg einen Musenhof schuf. Die barocke Anlage schuf Siméon Godeau, ein Schüler des berühmten Gärtners von Versaille André le Nôtre. Die Nachfolger Friedrichs II. ließen die Gartenanlage modernisieren und um einen englischen Landschaftsgarten erweitern. So kaufte Friedrich Wilhelm III. in den 1820er- und 1830er-Jahren für den Schlossgarten vier Bronzeskulpturen an, die alle in Preußen geschaffen worden waren. Alle vier sind Nachbildungen berühmter antiker Skulpturen, die zum »Kanon« der antiken-griechischen Bildhauerkunst gehören und in fürstlich-sentimentalen Landschaftsgärten des 19. Jahrhunderts beliebt waren.
Die Venus von Medici
Die Venus von Medici ist eine Bronzeskupltur, deren Original wahrscheinlich im 1. Jahrhundert vor Christus von Kleomenes von Athen geschaffen wurde. Das Original steht heute in Florenz. Vermutlich wurde es um 1550 in den Trajansthermen in Rom gefunden und von den Medici gekauft. Napoleon ließ die Skulptur nach Paris holen, von wo aus sie zwölf Jahre später in die Uffizien kam. Der im Schlossgarten 1822/23 aufgestellte Guss ist im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1988/89 nachgefertigt worden. Friedrich Wilhelm III. ließ sie zusammen mit der Büste seiner verstorbenen Frau Luise und dem Kapitolinschen Amor auf einer Insel im Garten aufstellen.
Der kapitolinische Amor
Der Kapitolinische Amor ist 1822 von Heinrich Hopfgarten gegossen worden. Das antike Vorbild ist eine Marmorskulptur im Kapitolinischen Museum in Rom, die wiederum eine Nachbildung einer verlorenen antiken Bronze von Lyssipios ist. Friedrich Wilhelm III. kaufte die Skulptur direkt von der Gießerei und ließ sie auf der Insel in unmittelbarer Nähe der Büste seiner verstorbene Frau Luise aufstellen. Die Venus und der Kapitolinische Amor in unmittelbarer Nähe zur Büste der geliebten Frau lassen den Ort zu einer Liebesinsel werden. Alle drei Bildwerke sind eine Feier der Liebe zur verstorbenen Gattin, der »Königin der Herzen«, wie Friedrich Schlegel sie nannte.
Die Ildefonsogruppe
Die Ildefonsogruppe im Schlossgarten Charlottenburg ist von Christoph Heinrich Fischer nach einem antiken Vorbild gegossen wurden. Das marmorne Original aus Hadrianischer Zeit wird heute im Prado in Madrid verwahrt. Johann Heinrich Winckelmann deutete das Werk als Darstellung von Orestes und Pylades, Gotthold Ephraim Lessing sah in den Dargestellten Hypnos und Thanatos, Schlaf und Tod. In einem Garten, in dem schon durch den Zyklus der Jahreszeiten das Motiv des Werdens und Vergehens, des Sterbens und Wiederauferstehens präsent ist, ist eine Erinnerung an Schlaf und Tod ein beliebtes Motiv, um an das Jenseits im Paradies, das in der Vorstellung wiederum einem Garten ähnelt, zu erinnern.
Germanicus
Die Figur unter der allgemeinen Bezeichnung »Germanicus« ist eine Bronzenachbildung der Marmorstatue eines römischen Redners von Kleomenes, der als Merkur, dem Schutzgott der Redner, dargestellt wird. Das Original, geschaffen um 40 nach Christus, ist heute im Louvre unter dem Titel »orateur romain« zu finden. Angenommen wird, dass der Kopf ein Porträt des jungen Octavian ist, bevor er Kaiser wurde. Der rechte Arm ist im Redegestus erhoben, in der linken Hand hielt er ursprünglich einen Merkurstab. Das Gewand fällt unten auf eine Schildkröte, ein Attribut des Merkur. Der Bronzenachguss in Charlottenburg stammt von 1822 und wurde 1825 erstmals in Charlottenburg vor dem gerade vollendeten Neuen Pavillon aufgestellt.
Das Skulpturenprogramm spielt im Schlossgarten Charlottenburg seit der Barockzeit eine elementare Rolle. Die vier genannten Bronzeskulpturen aus der Zeit Friedrich Wilhelms III. sind von Wind und Wetter beansprucht und bedürfen dringend einer Reinigung, Restaurierung und Konservierung. Ziel ist ein optisch geschlossenes Gesamtbild und ein stabiler Zustand der stark verwitterten und teilweise schadhaften Plastiken. Auf den Oberflächen aller Plastiken finden sich durch Eisen braun gefärbte Kalkauflagerungen. Sie sind mit
unterschiedlich ausgebildeten Korrosionsprodukten überzogen, die vor allen Dingen in den wettergeschützten Bereichen zu Krusten aufgewachsen sind. Auch Schadstellen sind zu restaurieren, oft haben sich aus alten Reparaturen Flicken gelöst.
Die Plastiken werden mit patinaschonenden Verfahren aufwendig manuel gereinigt, Krusten abgenommen, freigelegte Flächen geglättet, Schadstellen restauriert und Risse geschlossen. Bronzeergänzungen werden gesichert und, wo verlustig gegangen, in der historischen Technik ersetzt. Wo notwendig erfolgt die Nachpatinierung, abschließend wird zur vollflächigen Konservierung der Oberfläche ein mikrokristallines Wachs aufgetragen.